e.V. Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR
Territoriale Initiativgruppe (TIG) Neubrandenburg Nr. 03.01

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Auschwitz, Antisemitismus, Euthanasie
Der 75. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz am 27. Januar durch die Soldaten der Roten Armee hatte für die Medien eine unterschiedliche Bedeutung. Die einen huldigten dem Bundespräsidenten der BRD, ein anderer ließ amerikanische Soldaten die Häftlinge von Auschwitz befreien und die Lokalpresse ließ sich erst am 28. Januar 2020 zu einer Berichterstattung herab. Warum ist das für mich erwähnenswert? 14-jährig betrat ich erstmals das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg nördlich von Weimar und war, genauso wie meine Mitschüler, emotional aufgewühlt. In den nächsten Jahren war ich in Sachsenhausen, Ravensbrück und wieder in Buchenwald. In all den Jahren meiner Ausbildung spielte das Wissen um die Verbrechen der deutschen Faschisten eine große Rolle sowie der Schwur der Häftlinge von Buchenwald. Ich war zu Hause antifaschistisch erzogen worden und die Bildungseinrichtungen steuerten ihren Anteil bei. Antisemitismus, Faschismus und Euthanasie waren Themen im Geschichtsunterricht und in der späteren Bildung. Nie wieder sollte von deutschem Boden ein Krieg ausgehen, nie wieder Faschismus zulassen - das gehörte und gehört zu meiner Lebensmaxime. So haben mich die Vereidigung von Soldaten im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück und die mahnenden Worte Elly Winters (Wilhelm Piecks Tochter) im November 1968 beeindruckt und nachhaltig geprägt.
Die Tageszeitung Nordkurier kündigte eine Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag im Studienbereich des Stadtarchivs Neubrandenburg für den 27. Januar 2020 zum Thema Euthanasie an. Eingeladen waren der Neustrelitzer Reinhard Simon, welcher das Buch "Domjücher Schicksale" zum Thema Euthanasie geschrieben hatte, und Christoph von Kaufmann, aus Bayern stammend - seit fast 30 Jahren aber Neubrandenburger Bürger, dessen Onkel ein Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie war. So viele Bürger waren der Einladung gefolgt, dass die bereit gestellten Sitzgelegenheiten nicht ausreichten. Eleonore Wolf, die engagierte Leiterin des Stadtarchivs, war überwältigt und schaffte weitere Sitzgelegenheiten herbei. Natürlich traf ich einige Genossen meiner TIG.
Reinhard Simon beeindruckte dann die Anwesenden mit seinem Buch, seinen Zitaten, seinen Berichten vom Zusammentreffen mit Überlebenden und Verwandten von Opfern der Euthanasie. Die Erlebnisberichte Christoph von Kaufmann waren so emotional, das sie unter die Haut gingen. In der folgenden Diskussion berichteten Anwesende, dass Euthanasie in ihrer schulischen Ausbildung eine Rolle spielte und immer der Zusammenhang zur faschistischen Ideologie hergestellt wurde, die die Vernichtung so genannten unwerten Lebens propagierte. Christoph von Kaufmann beendete seinen Erlebnisbericht mit der Mahnung: der Schoß ist fruchtbar, aus dem das kroch! Lasst uns vereint dagegen kämpfen, kämpfen gegen das Vergessen und die Verharmlosung! Sichtlich bewegt schloss Eleonore Wolf diesen bewegenden Abend.
Nun machte mich ein Mitstreiter darauf aufmerksam, dass in Waren am 4. Februar ein Seminar zum Thema "Antisemitismus - ein gesamtgesellschaftliches Problem" stattfinden soll. Die Europäische Akademie Mecklenburg-Vorpommern organisierte mit der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern diesen Abend und luden Frau Dr. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin als Gesprächspartner ein. Während der Fahrt nach Waren überlegten wir, wie die gut bezahlte Seminarleiterin und Beraterin der Bundesregierung, das angekündigte Thema uns nahe bringen würde. Aus unserer Schul- und Ausbildungszeit war uns das Thema "Antisemitismus" vertraut. Ich erinnere mich an eine Definition, "dass Antisemitismus das Kennzeichen einer verkommenen Kultur sei und die Hetze gegen Juden der Ablenkung des Volkes von den Missständender Ausbeuterordnung diene". Nun war ich gespannt, ob meine Erinnerungen in irgendeiner Weise bestätigt werden würden. Rund 20 Personen, alle ab 50 Jahre jung, waren der Einladung gefolgt. Der Start in das Seminar mit Frau Dr. Wetzel begann mit der Feststellung: "Das Thema Antisemitismus ist kein rein historisches Problem, vielmehr ist es auch in der heutigen Zeit hochaktuell. Gelegentliche politische und gesellschaftliche Debatten zielen dabei vor allem auf den richtigen Umgang mit antisemitischen Taten und Äußerungen - nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken. Dabei werden die Tragweite des Problems und vor allem seine Vorbereitung in Deutschland und Europa oft nicht erfasst. Demgegenüber steht eine große Zahl antisemitisch motivierter Straftaten und Äußerungen, deren Ursprung sich nicht etwa auf eine kleine Minderheit der Bevölkerung beschränkt. Gleichzeitig scheint Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen wieder zunehmend salonfähig zu werden. Ein gesellschaftlicher Diskurs zu dieser problematischen Situation fehlt. In jüngeren europäischen Debatten wird das Problem Antisemitismus oftmals entweder als importiertes Phänomen durch Zuwanderer abgetan oder aber auf ein Erbe des Nationalsozialismus beschränkt. Zusammen soll dem Thema Antisemitismus auf den Grund gegangen und nach Funktionsweisen sowie Verbreitung in Vergangenheit und Gegenwart gefragt werden". Die Erläuterung der geschichtlichen Hintergründe und der Nennung gegenwärtiger Erscheinungen des Antisemitismus bis hin zur Verwendung antisemitischer Stereotype durch namhafte Medien war gut und bereicherte mein Wissen. Es war schwer, den Ausführungen zu folgen, da die Referentin offensichtlich mit ihrem Notebook sprach und immer leiser wurde. Über einen Beamer wurden die von ihr vorgetragenen Thesen auf eine Leinwand projiziert; also war die Verständlichkeit nicht ganz so wichtig. Nach dem Vortrag hatten die Seminarteilnehmer die Möglichkeit, Fragen zu stellen bzw. ihre Meinung zum Thema zu äußern.
Mein Mitstreiter stellte ihr die Frage, "worin sie die Ursachen und Hintergründe sähe, dass in der Bundesrepublik der Antisemitismus noch immer existiere. Die Kenntnis sei doch die Voraussetzung, den Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen." Als mein Mitstreiter und andere Seminarteilnehmer den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Faschismus herstellten, meinte Frau Dr. Wetzel, man könne beides nicht mit einander verbinden. "Was denn sonst?" meine ich. Andererseits sei sie der Meinung, dass in der DDR der Antizionismus gepflegt wurde und das Leiden der Juden wenig Beachtung fand. Das hätte letztlich zu Ausländerfeindlichkeit, Brandanschlag und die Hatz auf Ausländer in Rostock geführt. Diese Behauptungen riefen mindestens fünf Seminarteilnehmer auf den Plan, welche ihr energisch widersprachen, darunter eine Dame, welche ihre Eltern im Konzentrationslager verlor. Die Diskussionsredner appellierten: Wir haben die Verantwortung, die Verbrechen am jüdischen Volk niemals dem Vergessen preiszugeben! Wir dürfen das Gift des Antisemitismus nicht zulassen! Respekt und Toleranz sind heute mehr gefragt als jemals zuvor!
Als ein Seminarteilnehmer die Uniformität des dritten Reiches in Sachen Meinung, Kleidung etc. mit dem einheitlichen Bildungssystem und dem Plattenbau in der DDR auf eine Stufe stellte, erfolgte von Frau Dr. Wetzel keine Reaktion. Entsprach das ihrer Auffassung? Irgendwas war faul! Seminarteilnehmer ließ sie nicht mehr zu Wort kommen oder fiel ihnen ins Wort, wenn ihr deren Argumente unbequem wurden. Der geäußerten Meinung, dass in der DDR Antifaschismus Staatsdoktrin war und die DDR bestrebt war, den Nazismus auszurotten, widersprach sie. Jetzt brannte die Luft. Frau Dr. Wetzels Gesicht versteinerte sich mehr und mehr sie war heil froh, dass der Veranstaltungsleiter das Seminar nach rund zwei Stunden beendete.
Unsere Gedanken aus der Hinfahrt zum Tagungsort hatten sich bestätigt: die Meinung der Bundesregierung und ihrer Institutionen ist die einzig richtige und gültige. Auch der Einklang zu den Medien bestätigte sich für mich. Manipulation und Verdummung sind das ausgemachte Ziel; deshalb übrigens auch das so genannte Bildungssystem in diesem Staat. Junge Menschen, auf die ich in Straßen und auf Plätzen traf, welche z.B. Unterschriften für den Erhalt der Bienen sammelten, sind bei "friday for future" zu finden, aber kaum bei Demonstrationen für den Frieden. Auch das passt den Regierenden sehr gut ins Konzept, weil es eine perfekte Ablenkung von den dringenden Problemen der Zeit ist. Die nach 1990 geborenen wissen kaum etwas von Krieg, Vertreibung, Konzentrationslagern, Wiederaufbau, Hunger usw. Bei einem Besuch des Brandenburger Tors in Berlin standen zwei junge Männer in der Uniform eines amerikanischen und eines britischen Soldaten mit den entsprechenden Nationalflaggen in der Hand. Auf meine Frage, warum sie dort stehen, antworteten sie: "Weil wir Berlin befreit haben!" Nein sagte ich, das war die Rote Armee! Auch das ist ein Ergebnis des deutschen Bildungsunwesens bzw. der bewussten Manipulation. Lasst uns mit den jungen Menschen reden, ihnen unsere Lebenserfahrungen weitergeben, wo immer wir auf sie treffen! So können wir unter anderem der voranschreitenden, geplanten Verdummung und Manipulation der Menschen entgegen wirken! Ich bin gespannt, was die Medien zum 75. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge von Buchenwald melden werden.

Gunter Emmaus

Schlagzeile im Nordkurier vom 21.01.2020 - Seite 1
Mein Brief an den Chefredakteur Jürgen Mladek

Sehr geehrter Herr Mladek,

am 21. Januar 2020 schreit mir auf der Seite 1 des Nordkurierim Beitrag von Frank Pfaff die Überschrift entgegen "Widerlich": Linke wettert gegen Manöver vor Russlands Toren.
Die Überschrift suggeriert: Es ist widerlich, dass die Linke gegen das US-geführte NATO-Manöver im 75. Jahr der Befreiung vom Faschismus protestiert! Ich war entsetzt und erinnerte mich sofort an Adenauers KPD-Verbot und Berndt Seiters Absicht Anfang der 1990er Jahre, die Roten mit Flammenwerfern zu bekämpfen. Und was ist nun der nächste Schritt?
Mein Entsetzen mündete schließlich in der Erkenntnis, dass es der Nordkurier schon mehrfach verstand, mit provokanten oder sinnentstellenden Überschriften die Aufmerksamkeit des Lesers zu erregen.
Zurück zum Thema des Artikels: Da sind Tausende Bundeswehrangehörige in das US-geführte NATO-Manöver "DEFENDER EUROPE 2020"eingebunden, von denen ich nicht weiß, welche Geisteshaltung sie haben. Immerhin gibt es zahlreiche Fälle, dass Bundeswehrsoldaten Devotionalien aus der faschistischen Wehrmacht in ihren Unterkünften zur Schau stellen. Wollen es diese Bundeswehrsoldaten nun besser als ihre Väter und Großväter beim Feldzug gegen Osten machen? Diese Armee macht mir Angst, denn der faschistische Ungeist wurde in der Bundeswehr auch unter der Führung von Ursula von der Leyen nie beseitigt. Ich vergesse nie Berthold Brechts Warnung "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch".
Da lässt der Spiegel zum Beispiel amerikanische Soldaten Auschwitz befreien, da stehen Studenten in amerikanischer und britischer Uniform als Befreier Berlins vor dem Brandenburger Tor - besser geht Geschichtsverdrehung nicht! Und der Nordkurier springt auf diesen Zug auf?
Oben zitierte Überschrift ist für mich widerlich! Das ist primitiver Journalismus! Sie machen es mir schwer, den NORDKURIER weiterhin zu lesen!

Gunter Emmaus
Neubrandenburger Leser des Nordkuriers


Die real existierende Pflanze

Ich wollt eine Pflanze, an der man sich freut.
Zur Suche hab ich keine Mühen gescheut.
Ein bärtiger Weiser der sagte zu mir:
"Ich hab einen Samen, den gebe ich dir".

Ich griff sogleich zu und bedankte mich nicht.
Er rief mir noch nach, etwas ärgerlich:
Das Gesetz der Botanik das soll ich beachten.
Ja, ja ich verteh' und die Geister, sie lachten.

Das Beet schnell bereitet, den Samen hinein.
Viel Bangen und Hoffen so sollt' es wohl sein.
Tatsächlich ein Keimling, er wuchs schnell heran.
Mit Blatt, Stiel und Blüte zugutegetan.

Feuchte ward nötig, ich wusste schon wie,
doch Wasser so knapp wie Demokratie.
Ich wollte sie formen nach meinem Geschmack.
Die seitlichen Triebe, die hab ich gekappt.

Ein Freund hatte mir von den Stürmen berichtet.
Zum Schutze, hab ich eine Mauer errichtet.
Die warf zwar ein Schatten, doch sie strebte empor
dem Lichte entgegen, brach Früchte hervor.

Die Wurzeln so stark, unterhöhlten den Bau.
Die Mauer sie fiel auf die Pflanze genau.
Wie kann das nur sein? Keiner hat sich beschwert.
Die Trümmern zu räumen, das blieb mir verwehrt.

Die Geschichte der Pflanze wollt keiner mehr hören.
Wenn ich sie erzählte, dann tat ich nur stören.

Die Tragik die hab ich schon lang überwunden.
In Trümmern hab ich einen Samen gefunden.
Auf das jemand kommt und diesen begehrt,
ein Liebhaber, der die Pflanzen verehrt.

Jedoch werde ich die Bedingungen nennen.
Ich geb ihn nur denen, die folgendes kennen:
Und komme da wer, ob nun er oder sie,
das Gesetzt der Botanik und Menschologie.

Wolfgang Werth



Weitere Äußerungen
finden Sie im Archiv.



Jolkafest

Es leutet ein Glöckchen im tiefen Tann.
Das Väterchen Frost es kündigt sich an.
Voll Übermut die Rösser springen.
Die Troika voll mit guten Dingen.

Snegurotschka den Alten ermahnt.
Gekonnt er den Weg durch's Gestöber sich bahnt.
Sie bringen bald pünktlich zum Jolkafeste
Geschenke für Alle und Jedem das Beste.

Ich wünschte mir sehr wie es schon mal war,
er käme nach Deutschland in diesem Jahr.
Das wird nichts wegen der Russlandkenner.
Das Parlament voller Weihnachtsmänner!

Wolfgang Werth




ERIK NEUTSCH
Widerstand

Es ist der Zorn, der mich beflügelt,
zu schreiben über dieses Land.
Einst waren wir zwar abgeriegelt,
doch jetzt hat man uns ausgebrannt.

Nein schlimmer ist's, sie kommen wieder,
Finanzhyänen und Baron.
Sie lassen sich wie früher nieder,
im Auge unsere Knechtschaft schon.

Wer arm ist, der wird immer ärmer,
wer reich ist, wird zunehmend reich.
Das Land wird kälter und nicht wärmer
Nicht mal im Tod sind wir noch gleich.

Denn wer nichts hat, muss früher sterben.
Mit Geld nur kauft man sich gesund.
Des Kapitals habgierig Erben
demüt'gen uns bis auf den Grund.

Wir sollen knien, sollen fallen,
bis dass gebrochen unsre Kraft.
Sie reden Freiheit ein uns allen
und fesseln sie durch Marktwirtschaft.

Was hatten wir doch einst für Träume:
Gerechtigkeit für jedermann.
Jetzt wissen wir, es blieben Schäume,
weil Machtmissbrauch kein Recht sein kann.

Es war ein Irrtum der Marxisten,
denn sie allein, sie schaffen's nicht.
Gemeinsam erst mit Grünen, Christen
erfüllt mich neue Zuversicht.

Für Deutschland, Land auch meiner Liebe,
von dem ich sagen will: Ich bin's.
Wenn ich nur sähe, dass es bliebe
faschismusfern, sozialen Sinns.

Gewerkschafter und Sozialisten,
wer noch gehört in diese Reih?
Das Bündnis, das wir schließen müssten,
hätt' nur Erfolg, misstrauensfrei.

Ja, sei's gewagt: was wir jetzt brauchen,
das ist ein Aufstand der Vernunft.
Parteien sind zum Untertauchen.
Das Volk muss her und Geistes Zunft.

Begleiten wir sie auf den Straßen,
im Ruhrgebiet, vor Kanzlers Amt.
Vergessen wir, uns anzumaßen,
dass Wahrheit nur von einem stammt.

Es schaut auf uns in ihren Nöten
die Frau, drei Kinder, arbeitslos.
Verhindern wir, dass sie sich töten,
die Kids, weil aller Hoffnung bloß.

Da gilt das Wort nicht, anzukommen
in einem Land, das so nicht meins.
Mich macht kein Lug, kein Trug zum Frommen.
Mein Widerstand und ich sind eins.